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Im Interview: Britta Balden, IT-Unternehmerin mit langjähriger Erfahrung in EU-Forschungs- und Entwicklungsprojekten

|   Hamburg / Schleswig-Holstein Lokalnachrichten

Britta Balden ist eine in Deutschland und Griechenland im IT-Bereich aktive Einzelunternehmerin, die bereits an zwei großen EU-Projekten für Forschung und Entwicklung beteiligt war. Im Folgenden berichtet sie über ihren Werdegang und erläutert, an welchen EU-Projekten sie teilgenommen hat und welche Erfahrungen sie mit anderen Unternehmern/innen teilen möchte.

 

Was machen Sie beruflich bzw. was für ein Unternehmen führen Sie?

Ich bin Diplomkauffrau. Am Anfang meiner Karriere habe ich für Wirtschaftsprüfungs-, Industrie- und Bauunternehmen gearbeitet, bevor ich mich vor 20 Jahren selbständig gemacht und ein IT-Start-Up gegründet habe, um eine digitale Kollaborationsplattform für Supermärkte in Griechenland zu entwickeln. Daraus ist eine E-Invoicing-Plattform entstanden, die mittlerweile die größte in Griechenland ist und stark zur Digitalisierung der griechischen Wirtschaft beigetragen hat. Vor fünf Jahren habe ich meine Anteile an diesem Unternehmen verkauft, um etwas Neues anzufangen. Dafür habe ich die Consulting-Firma eGerLink gegründet, die digitale Business-Modelle entwickelt.

 

An welchen EU-Projekten haben Sie teilgenommen?

Das erste EU-Projekt, an dem ich beteiligt war, hieß SELIS und wurde durch das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020, unterstützt. Ich wurde gebeten, Partner in dem Projekt zu werden. Das Projektkonsortium hat mich aufgrund meine Tätigkeiten in Griechenland angesprochen, weil sie jemanden brauchten, der versteht, wie Daten kommerziell genutzt werden können.

In SELIS ging es um die Digitalisierung von Lieferketten und den Aufbau einer europäischen digitalen Kollaborationsplattform, um Supply Chain Data mit unterschiedlichen Stakeholdern zu teilen und unter anderem daraus neue Business Modelle zu entwickeln. Die Idee, die ich dazu beigetragen habe, war, Daten so zu nutzen, zu analysieren und auszuwerten, dass die Finanzierung von Lieferketten sicherer, billiger und einfacher wird. Das Projekt hatte eine Laufzeit von drei Jahren und ich war mit meiner Arbeitskraft während der gesamten Zeit zu einhundert Prozent eingebunden.

Aus SELIS hat sich eine Zusammenarbeit für ein zweites EU-Projekt, ICONET, ergeben. Auch ICONET wird durch Horizont 2020 gefördert. In diesem Projekt geht es um das „Physical Internet“, also um eine Vision, das Dateninternet in die physische Logistik- und Transportwelt zu übertragen. Dadurch kann man Objekte mit einem aktiven Datenversender verbinden und sowohl Transportmittel als auch „Warehouse Management Facilities“ miteinander vernetzen, was zur Effizienz des Transports von Waren und dadurch auch zur Verringerung von Treibhausgasen beiträgt.

In ICONET bin ich dafür verantwortlich, eine Machbarkeitsstudie („Feasibility Study“) für das „Physical Internet“ und ein „Business Model Roadmap“ für die einzelnen Applikationen zu verfassen, die aufzeigen sollen, wie das „Physical Internet“ entwickelt werden kann und wie es sich am Markt umsetzen lässt. Im Unterschied zu SELIS habe ich in ICONET keine führende Rolle und bin mit gut 50% meiner Arbeitszeit ausgekommen. Das Projekt werden wir im Februar 2021 abschließen.

 

Welche Erfahrungen aus den EU-Projekten möchten Sie mit anderen Unternehmen teilen?

Die Horizont 2020-Projekte, an denen ich beteiligt war, waren eine tolle Möglichkeit, um Neues zu lernen und auszuprobieren. Die Innovation, die in solchen Projekten geschaffen wird, ist erstaunlich. Ich habe auch ein tolles Netzwerk aufgebaut, das über ganz Europa verteilt ist und das aus Personen mit einem ähnlichen „Mindset“ besteht. Insofern schätze ich mich glücklich, in so eine interessante Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein. Es ist nicht unbedingt einfach, in ein Horizont 2020-Projekt reinzukommen.

Nach meiner Erfahrung gibt es bisher noch nicht genügend Unterstützung für die Markteinführung von in solchen Projekten entwickelten Technologien, die noch nicht auf dem Niveau sind, dass man direkt morgen anfangen könnte, Kunden damit zu unterstützen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Brücken zwischen Horizont 2020 und der Finanzierung für die Markteinführung gäbe und dass insgesamt auf EU-Ebene mehr in Risikokapital investiert würde, damit High-Tech-Innovation auch in kleinen Unternehmen zukünftig besser ermöglicht werden kann.* Eine andere wichtige Erfahrung ist, dass es im Rahmen von Horizont 2020-Projekten bei der Regelung der IPR, also bei der Regelung des Geistigen Eigentums, zu Herausforderungen kommen kann.

Im Großen und Ganzen leisten solche EU-Projekte allerdings unzweifelhaft einen sehr großen Beitrag zur europäischen Integration.

 

Vielen Dank, Frau Balden, für diese wertvollen Einsichten! 

 


[*] Das EIC Accelerator-Programm der EU - ein Pilotprogramm des Europäischen Innovationsrats (European Innovation Council, kurz EIC) im EU-Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 - fördert bahnbrechende Innovationen einzelner kleiner und mittlerer Unternehmen mit internationalem Marktpotenzial und hohem Entwicklungsrisiko. [Weitere Informationen]

Britta Balden, IT-Unternehmerin aus Bad Oldesloe
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