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Im Interview: Jörg Baltschun von MoRobo – High Tech Upcycling

|   Hamburg / Schleswig-Holstein Lokalnachrichten

In der Europäischen Union werden jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Tonnen Abfall produziert. Bei Elektro- und Elektronikgeräten liegt die Recyclingquote bei weniger als 40%. Um diesem Problem entgegenzuwirken, verfolgt die EU das Ziel, bis 2050 eine sogenannte Kreislaufwirtschaft zu etablieren, in der Produkte vermehrt recycelt werden und sich somit der Verbrauch von Rohstoffen reduziert.

Auch in Schleswig-Holstein befassen sich Unternehmen mit dieser Thematik. Jörg Baltschun, Geschäftsführer des Kieler Unternehmens MoRobo, restauriert antike Möbel und haucht Elektrogeräten und anderen Produkten durch „Upcycling“ neues Leben ein. 

 

Welchen Stellenwert nimmt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen ein?

Bei MoRobo beschäftigen wir uns mit Restaurierung, Wiederaufbereitung oder der Einsatzzweckänderung von Produkten und schonen damit Ressourcen. Nachhaltigkeit beschäftigt mich persönlich schon lange. Mit 18 Jahren habe ich meine erste eigene Maschine gebaut, mit der Farbbänder von Matrixdruckern wieder mit neuer Tinte befüllt werden konnten. Spätestens seitdem ich mit meinem Unternehmen 2018 nach Kiel gezogen bin, sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch in beruflicher Hinsicht meine Kernthemen.

Wie sind Sie auf den Nachhaltigkeits-Check aufmerksam geworden?

Auf den Nachhaltigkeits-Check bin ich durch einen Newsletter der IHK Kiel aufmerksam geworden. Mein Interesse war sofort geweckt und ich wollte gerne testen, wo ich mit meinem Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit aktuell stehe.

Welche Schlüsse haben Sie für Ihr Unternehmen aus dem Nachhaltigkeits-Check gezogen?

Es gibt in einem Unternehmen immer Bereiche, die noch verbessert werden können, die man als Geschäftsführer aber nicht unbedingt wahrnimmt. Der Nachhaltigkeits-Check hat mir aufgezeigt, an welchen Stellen noch Handlungsbedarf ist, was sehr hilfreich war. Beispielsweise habe ich mich im Zuge des Checks mit Diversität und Geschlechtergleichberechtigung des Personals auseinandergesetzt. Mittlerweile haben wir Maßnahmen umgesetzt und sind ein vielfältiges Team.

Der Nachhaltigkeits-Check betrachtet die Nachhaltigkeit in drei Dimensionen: ökonomisch, sozial und ökologisch. In welchem Bereich sehen Sie für Ihr Unternehmen den größten Handlungsbedarf?

Aktuell sehe ich den größten Handlungsbedarf in der ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit. Wir optimieren derzeit unsere Arbeitsabläufe, diesbezüglich besteht noch Verbesserungspotenzial. Gegenwärtig geht es aber auch darum, Planzahlen zu erstellen und diese dann auch zu erreichen. Die anderen beiden Dimensionen schätze ich schon sehr positiv ein.

Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmen geben, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen?

Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig, das eigene Einkaufsverhalten zu überprüfen: Wo kaufe ich ein? Was kaufe ich ein? Wer stellt meine Produkte her? Ist bei der Herstellung von Produkten Kinderarbeit beteiligt? Kaufe ich Waren einer Diktatur? Wie nachhaltig ist die Arbeitsmittelbeschaffung? Ich glaube, dass ein Unternehmen im Einkauf dramatisch in Bezug auf Nachhaltigkeit verbessert werden kann. Wir kaufen unsere Maschinen beispielsweise regional und gebraucht. Somit ist unser Einkauf nicht nur nachhaltig, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Im Kieler Raum gibt es zwar einige Unternehmen, die auch die Nachhaltigkeit in den Fokus rücken, im Bereich Upcycling haben wir allerdings kaum Konkurrenz.

Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit Unternehmen nachhaltiger handeln?

Unser Unternehmen schränkt ein Gesetz besonders ein, das es nämlich verbietet, Dinge vom Sperrmüll wegzunehmen. In dem Moment, in dem der Sperrmüll draußen an der Straße steht, gehört er dem Entsorgungsunternehmen. Müll ist unser Rohstoff und wir würden den Entsorgungsunternehmen gerne Sperrmüll abnehmen – oder gerne auch abkaufen – und wiederverwerten. Bisher sind wir diesbezüglich aber leider auf wenig Interesse und Verständnis gestoßen. Unsere „Rohstoffe“ beschaffen wir daher vor allem über Beziehungen oder Portale wie eBay Kleinanzeigen. Ich würde mir wünschen, dass uns insbesondere staatliche Entsorger die Möglichkeit geben, Sperrmüll zu erwerben. Denn durch Upcycling kann vermeintlicher Müll zu praktischen und hochwertigen Produkten werden.

 

Herr Baltschun, vielen Dank für das Gespräch!

 

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